Arbeitsmittel

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Allgemeines

Zu den bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit berücksichtigungsfähigen Werbungskosten gehören die Aufwendungen für Arbeitsmittel gemäß § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 6 EStG. Arbeitsmittel sind Wirtschaftsgüter, die unmittelbar zur Erledigung der dienstlichen Aufgaben dienen; BFH-Urteile vom 07. Oktober 1954 IV 630/53 U, BFHE 59, 395, BStBl III 1954, 362, und vom 18. Februar 1977 VI R 182/75, BFHE 121, 444, BStBl II 1977, 464.

Anschaffungskosten / Herstellungskosten
(R 9.12 LStR)

Die Anschaffungskosten oder Herstellungskosten einschließlich der Umsatzsteuer können im Jahr der Anschaffung oder Herstellung in voller Höhe als Werbungskosten abgesetzt werden. Voraussetzung: Die Netto – Anschaffungskosten oder Netto – Herstellungskosten für das einzelne Arbeitsmittel übersteigen die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 7 Satz 2 EStG in Höhe von 800 Euro nicht.

Beispiel mit Lösung:
Peter kauft für sein beruflich genutztes Arbeitszimmer 10 Schränke in Höhe von 900 Euro + 171 Euro Umsatzsteuer = 1.071 Euro.
Da der einzelne Schrank 107,10 Euro kostet kann Peter 1.071 Euro als Werbungskosten für die Schränke geltend machen.

Höhere Anschaffungskosten oder Herstellungskosten sind auf die Kalenderjahre der voraussichtlichen gesamten Nutzungsdauer des Arbeitsmittels zu verteilen und in jedem dieser Jahre anteilig als Werbungskosten zu berücksichtigen.

Wird ein als Arbeitsmittel genutztes Wirtschaftsgut veräußert, ist ein sich eventuell ergebender Veräußerungserlös bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit nicht zu erfassen.

Zu den Aufwendungen für Arbeitsmittel zählen zum Beispiel: 

  • der Computer 
  • die Büromöbel 
  • das Büromaterial 
  • die Fachbücher und die Fachzeitschriften
  • die Berufskleidung
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel

    Computer 

    Berufliche Nutzung:

    Wenn Du einen Computer beruflich nutzt, ist eine private Mitbenutzung von unter 10 % unschädlich. In diesem Fall kannst Du die Kosten für die Anschaffung zu 100 % absetzen. 
    Sollte die private Mitbenutzung des Computers über 10 % liegen, so musst Du die Kosten aufteilen. Sofern Du den Computer zu 80 % für berufliche Zwecke nutzt, wirst Du auch nur 80 % der Anschaffungskosten absetzen können. (H 9.12 “Aufteilung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten” EStH) 

    Das Finanzamt wird womöglich von Dir eine Aufstellung über die berufliche Nutzung anfordern. Darin musst Du darlegen, welche Tätigkeiten Du im Einzelnen mit diesem Computer ausführst. Auch wird das Finanzamt Dich im Zuge dessen danach fragen, wie viele Stunden Du beruflich an dem Computer tätig bist. Diesen Nachweis zieht das Finanzamt heran, um zu beurteilen, ob Du den Computer ausschließlich oder fast ausschließlich beruflich nutzt. 

    Ohne Nachweis des Umfangs der beruflichen Nutzung eines Computers wird grundsätzlich eine hälftige berufliche Nutzung von der Finanzverwaltung anerkannt (BFH 19.02.2004, VI R 135/01). 


    Nutzungsdauer:

    Bis zum Veranlagungszeitraum 2020 gilt für Computerhardware (einschließlich der dazu gehörenden Peripheriegeräte) sowie die für die Dateneingabe und Datenverarbeitung erforderliche Betriebs- und Anwendersoftware:

    Die Peripherie-Geräte einer PC-Anlage sind regelmäßig keine geringwertigen Wirtschaftsgüter (BFH vom 19.02.2004 – BStBl II S. 958). Diese Wirtschaftsgüter sind über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben.
    Sofern der Computer beweglich, abnutzbar, einer selbstständigen Nutzung fähig ist und die Anschaffungskosten vermindert um die enthaltene Umsatzsteuer den Betrag von 800 Euro nicht übersteigen, erfüllt er die Voraussetzungen für ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG). Die Anschaffungskosten können sodann im Jahr der Anschaffung in voller Höhe berücksichtigt werden.
    Sofern die Anschaffungskosten für den Computer vermindert um die enthaltene Umsatzsteuer den Betrag von 800 Euro übersteigen, sind die Anschaffungskosten inclusive Umsatzsteuer über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben.
    Computerprogramme (Software) können als GWG behandelt werden, wenn die Anschaffungskosten weniger als 800 Euro netto betragen. 
    Bis zum Veranlagungszeitraum 2020 gilt

    Ab dem Veranlagungszeitraum 2021 gilt für Computerhardware (einschließlich der dazu gehörenden Peripheriegeräte) sowie die für die Dateneingabe und Datenverarbeitung erforderliche Betriebs- und Anwendersoftware:

    BMF vom 26. Februar 2021, GZ: IV C 3 – S 2190/21/10002 :013, DOK: 2021/0231247.
    Die Nutzungsdauer von Computerhardware und Software zur Dateneingabe und
    Datenverarbeitung unterliegt einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von einem Jahr. Das heißt, dass die Anschaffungskosten im Jahr der Anschaffung in voller Höhe berücksichtigt werden.
    https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/
    Einkommensteuer/2021-02-26-nutzungsdauer-von-computerhardware-und-software-zur-dateneingabe-und-verarbeitung.pdf?__blob=publicationFile&v=2
    Ab dem Veranlagungszeitraum 2021 gilt

    Fachbücher und Fachzeitschriften

    Bücher und Zeitschriften sind Arbeitsmittel, wenn sichergestellt ist, dass die erworbenen Bücher und Zeitschriften ausschließlich oder ganz überwiegend beruflichen Zwecken dienen.


    Berufskleidung (R 3.31 LStR)

    Zur typischen Berufskleidung gehören Kleidungsstücke, die

    1. als Arbeitsschutzkleidung auf die jeweils ausgeübte Berufstätigkeit zugeschnitten sind oder
    2. nach ihrer zum Beispiel uniformartigen Beschaffenheit oder dauerhaft angebrachten Kennzeichnung durch Firmenemblem objektiv eine berufliche Funktion erfüllen,

    wenn ihre private Nutzung so gut wie ausgeschlossen ist.

    Aufwendungen für bürgerliche Kleidung sind auch bei außergewöhnlich hohen Aufwendungen nicht als Werbungskosten abziehbar (BFH vom 06. Juli 1989 – BStBl 1190 II S. 49). Normale Schuhe und Unterwäsche sind zum Beispiel keine typische Berufskleidung.


    Reinigung von typischer Berufskleidung

    Die Reinigung von typischer Berufskleidung in der privaten Waschmaschine stellt Werbungskosten dar. Neben den unmittelbaren Kosten des Waschvorgangs (Wasser- und Energiekosten, Wasch- und Spülmittel) sind auch die Aufwendungen in Form der Abnutzung sowie Instandhaltung und Wartung der für die Reinigung eingesetzten Waschmaschine abzugsfähig. Die Aufwendungen können ggf. geschätzt werden (BFH vom 29. Juni 1993 – BStBl II S. 837 und 838).

    Praxistipp

    • Das Finanzamt akzeptiert oftmals die Aufwendungen für Arbeitsmittel ohne Nachweis in Höhe von 103 Euro. 

    Geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) 

    Ein geringwertiges Wirtschaftsgut wird im Jahr der Anschaffung in voller Höhe berücksichtigt. 

    Damit Dein Wirtschaftsgut ein geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) darstellt und im Jahr der Anschaffung in voller Höhe berücksichtigt werden kann, müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein: 

    • das Wirtschaftsgut ist beweglich und 
    • das Wirtschaftsgut ist abnutzbar und 
    • das Wirtschaftsgut ist selbständig nutzbar und 
    • die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut ohne Umsatzsteuer übersteigen den Betrag von 800 Euro nicht. 

    Beispiele für GWG´s (diese Wirtschaftsgüter sind einer selbstständigen Nutzung fähig): 

    • Schreibtischlampe 
    • Telefon 
    • Kleinmöbel 
    • Papierkorb
    • Kaffeemaschine
    • Bild
    • Handy


    “Ein Wirtschaftsgut ist einer selbstständigen Nutzung nicht fähig, wenn es nach seiner betrieblichen Zweckbestimmung nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden kann”. Diese Wirtschaftsgüter sind über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben.

    Absetzung für Abnutzung (AfA) 

    Absetzung für Abnutzung (AfA) bedeutet, dass die Anschaffungskosten des Wirtschaftsguts auf die Dauer der betriebsgewöhnlichen Nutzung verteilt werden. Dabei ist die AfA im Jahr der Anschaffung zeitanteilig, das heißt für die Monate der betrieblichen Nutzung zu berücksichtigen. 

    • Sofern die Anschaffungskosten oder Herstellungskosten des Wirtschaftsguts (Arbeitsmittel) den Betrag von 800 Euro netto übersteigen, sind diese Kosten ausschließlich im Wege der linearen AfA zu berücksichtigen (§ 7 Absatz 1 EStG). 
    • Das Wirtschaftsgut (Arbeitsmittel) ist nicht selbstständig nutzbar. 
    • Das Wirtschaftsgut (Arbeitsmittel) hat eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von über einem Jahr. 

    Nach dem BMF-Schreiben vom 15.12.2000, BStBl 2000 I Seite 1532, beträgt die Nutzungsdauer von Büromöbeln 13 Jahre.

    Die AfA-Tabelle findest Du hier: 


    Beachte: 

    • Wird das Wirtschaftsgut von Dir vor oder nach Ende der Nutzungsdauer veräußert, zählt der Veräußerungserlös nicht zu den Einnahmen (R 9.12 Satz 3 LStR).
    • Außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzungen sind zu berücksichtigen (BFH vom 29.04.1983 – BStBl II S. 586 – im Zusammenhang mit einem Diebstahl eingetretene Beschädigung an einem als Arbeitsmittel anzusehenden Pkw).
    • Eine technische Abnutzung kann auch dann in Betracht kommen, wenn wirtschaftlich kein Wertverzehr eintritt (BFH vom 31.01.1986 – BStBl II S. 355 – als Arbeitsmittel ständig in Gebrauch befindliche Möbelstücke, BFH vom 26.01.2001 – BStBl II S. 194 – im Konzertalltag regelmäßig bespielte Meistergeige).
    • Wird ein Wirtschaftsgut nach einer Nutzung außerhalb der Einkunftsarten als Arbeitsmittel verwendet, so sind die weiteren AfA von den Anschaffungskosten oder Herstellungskosten einschließlich Umsatzsteuer nach der voraussichtlichen gesamten Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts in gleichen Jahresbeträgen zu bemessen. Der auf den Zeitraum vor der Verwendung als Arbeitsmittel entfallende Teil der Anschaffungskosten oder Herstellungskosten des Wirtschaftsguts (fiktive AfA) gilt als abgesetzt (BFH vom 14.02.1989 – BStBl II S. 922 und vom 02.02.1990 – BStBl II S. 684). Dies gilt auch für geschenkte Wirtschaftsgüter (BFH vom 16.02.1990 – BStBl II S. 883).
    • Beträgt der Restwert zum Zeitpunkt des Beginns der beruflichen Nutzung nicht mehr als 800 Euro (für Anschaffungen nach dem 31.12.2017), kann die GWG-Regelung angewendet werden (BFH vom 16.02.1990 – BStBl II S. 883).
    • Bekommst Du ein Wirtschaftsgut zum Beispiel vererbt, kannst Du die AfA ggf. als Rechtsnachfolger geltend machen (§ 11d Absatz 1 EStDV). 

    Beispiel: 

    Ein Arbeitnehmer richtet sich im Januar 2020 ein häusliches Arbeitszimmer ein. Hierzu nutzt er ab Januar 2020 einen im Januar 2015 erworbenen Schreibtisch, der bisher ausschließlich privat genutzt wurde. Die Anschaffungskosten betrugen ursprünglich 1.000 Euro bei einer Nutzungsdauer von 10 Jahren. Es liegt ein gleichbleibender Werteverzehr vor. 

    Lösung: 

    Der Restwert beträgt im Januar 2020 = 500 Euro. Dieser Betrag kann – auf die Restnutzungsdauer verteilt – als Werbungskosten berücksichtigt werden. 

    Berechnung: 

    Anschaffungskosten (AK) Januar 2015 = 1.000 Euro. 
    Betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer = 10 Jahre. 
    AK 1.000 Euro : 10 Jahre Nutzungsdauer = 100 Euro AfA pro Jahr. 

    AK 2015 1.000 € 
    -AfA 2015 100 € 
    =Restwert zum 31.12.2015 900 € 
    -AfA 2016 100 € 
    =Restwert zum 31.12.2016 800 € 
    -AfA 2017 100 € 
    =Restwert zum 31.12.2017 700 € 
    -AfA 2018 100 € 
    =Restwert zum 31.12.2018 600 € 
    -AfA 2019 100 € 
    =Restwert zum 31.12.2019 500 € 
    Berechnung Restwert zum 31.12.2019

    Urteile


    Bücher als Arbeitsmittel eines Lehrers

    BFH – Urteil vom 20.05.2010, VI R 53/09

    Deine Aufwendungen für Bücher und Zeitschriften können als Werbungskosten abgezogen werden, wenn die Literatur unmittelbar zur Erledigung der dienstlichen Aufgaben dient und ausschließlich oder zumindest weitaus überwiegend beruflich verwendet wird.

    Nicht abziehbar sind jedoch Aufwendungen für die Lebensführung, die Deine wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung mit sich bringt, auch wenn sie zur Förderung Deines Berufs oder Deiner Tätigkeit erfolgen (§ 12 Nummer 1 Satz 2 EStG). Anschaffungskosten können dann uneingeschränkt als Werbungskosten berücksichtigt werden, wenn feststeht, dass der Gegenstand von Dir weitaus überwiegend beruflich verwendet wird. Daraus folgt, dass es für die Abziehbarkeit von Aufwendungen für beruflich genutzte Gegenstände, die auch privat genutzt werden können, bei der Entscheidung, ob nicht abziehbare Aufwendungen für die Lebenshaltung vorliegen, im Allgemeinen weniger auf den objektiven Charakter des angeschafften Gegenstands ankommt, sondern vielmehr auf die Funktion des Gegenstands im Einzelfall, also den tatsächlichen Verwendungszweck (BFH-Urteile vom 19. Februar 2004 VI R 135/01, BFHE 205, 220, BStBl II 2004, 958, und vom 20. Juli 2005 VI R 50/03, BFH/NV 2005, 2185). Bei einem gemischt genutzten Gegenstand ist nach den Grundsätzen des Großen Senats des BFH im Beschluss vom 21. September 2009 GrS 1/06 (BFHE 227, 1) eine Aufteilung in Betracht zu ziehen.


    Ungewöhnlich hohe Aufwendungen

    BFH vom 10.03.1978 (BStBl II S. 459) und
    BFH vom 21.10.1988 (BStBl 1989 II S. 356)

    Aufwendungen für ein Arbeitsmittel können auch dann Werbungskosten sein, wenn sie zwar ungewöhnlich hoch, aber bezogen auf die berufliche Stellung und die Höhe der Einnahmen nicht unangemessen sind. BFH vom 10.03.1978 (BStBl II S. 459) – Anschaffung eines Flügels durch eine am Gymnasium Musik unterrichtende Lehrerin. BFH vom 21.10.1988 (BStBl 1989 II S. 356) – Anschaffung eines Flügels durch eine Musikpädagogin.


    Aufteilung der
    Anschaffungskosten / Herstellungskosten

    BFH vom 19.10.1970 – BStBl 1971 II S. 17,
    BFH vom 18.02.1977 – BStBl II S. 464,
    BFH vom 21.10.1988 – BStBl 1989 II S. 356,
    BFH vom 19.02.2004 – BStBl II S. 958

    • Betreffen Wirtschaftsgüter sowohl Deinen beruflichen als auch Deinen privaten Bereich, ist eine Aufteilung der Anschaffungskosten / Herstellungskosten in nicht abziehbare Aufwendungen für die Lebensführung und in Werbungskosten nur zulässig, wenn objektive Merkmale und Unterlagen eine zutreffende und leicht nachprüfbare Trennung ermöglichen und wenn außerdem der berufliche Nutzungsanteil nicht von untergeordneter Bedeutung ist (BFH vom 19.10.1970 – BStBl 1971 II S. 17).
    • Die Aufwendungen sind voll abziehbar, wenn Deine Wirtschaftsgüter ausschließlich oder ganz überwiegend Deiner Berufsausübung dienen. BFH vom 18.02.1977 (BStBl II S. 464) – Schreibtisch im Wohnraum eines Gymnasiallehrers. BFH vom 21.10.1988 (BStBl 1989 II S. 356) – Flügel einer Musikpädagogin.
    • Ein privat angeschaffter und in der privaten Wohnung aufgestellter Personalcomputer kann ein Arbeitsmittel sein. Eine private Mitbenutzung ist unschädlich, soweit sie einen Nutzungsanteil von etwa 10 % nicht übersteigt. Die Kosten eines gemischt genutzten PC sind aufzuteilen. § 12 Nummer 1 Satz 2 EStG steht einer solchen Aufteilung nicht entgegen (BFH vom 19.02.2004 – BStBl II S. 958).

    Aufwendungen eines Polizei-Hundeführers für den Diensthund sind Werbungskosten

    BFH – Beschluss vom 30.06.2010,
    VI R 45/09

    Aufwendungen eines Polizei-Hundeführers für den ihm anvertrauten Diensthund sind keine nicht abziehbaren Aufwendungen der privaten Lebensführung, sondern in vollem Umfang Werbungskosten.

    Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass der Hund als Arbeitsmittel des Polizisten anzusehen ist und die Kosten seiner Pflege als Werbungskosten berücksichtigt werden müssen (vgl. BFH-Urteil vom 15. März 2007 VI R 61/04, BFH/NV 2007, 1132). Ist ein Gegenstand als Arbeitsmittel zu beurteilen, sind auch die beruflich veranlassten Kosten der Instandsetzung und Wartung oder wie vorliegend der Pflege des Arbeitsmittels als Werbungskosten zu berücksichtigen (vgl. BFH-Urteil vom 28. März 2006 VI R 24/03, BFHE 212, 556, BStBl II 2006, 473). Der Umstand, dass der Dienstherr des Polizisten Eigentümer des Hundes ist, steht dieser Beurteilung nicht entgegen. Auch berufliche Aufwendungen auf fremdes Eigentum sind dem Werbungskostenabzug nach § 9 Absatz 1 EStG zugänglich (von Beckerath in Kirchhof, EStG, 9. Aufl., § 9 Rz 9).

    Auch wenn ein besonderes persönliches Verhältnis zwischen Diensthundeführer und Diensthund bestehe und das Tier – wie bei anderen Hundehaltern auch- am privaten Leben des Polizisten teilhabe, seien die Aufwendungen des Polizisten für den Diensthund anders als bei einer privat veranlassten Hundehaltung keine steuerunerheblichen Kosten der privaten Lebensführung. Schließlich betreue und versorge der Diensthundeführer den Hund außerhalb der Dienstzeit nicht aus privaten, sondern aus dienstlichen Gründen. Ein privates Interesse des Polizisten an der Hundehaltung stehe dieser Beurteilung ebenso wenig entgegen wie der Umstand, dass er diese dienstliche Aufgabe in der Freizeit und unter Aufwendung eigener finanzieller Mittel erfülle.

    Folgende Kosten kann der Polizist in seiner Steuererklärung geltend machen:
    Anschaffungskosten der Hundetransportbox
    Aufwendungen für Leinen
    Die Änderung des Hundegeschirrs und ähnliches Zubehör
    Futterkosten
    Aufwand für die Hundeplatznutzung
    Aufwendungen für die Fahrten zu den Diensthundeausbildungsstellen
    Die Erstattungen des Arbeitgebers sind anzurechnen
    Arbeitsmittel als Werbungskosten

    Wahlkampfkosten steuerlich nicht abziehbar

    BFH – Urteil vom 10.12.2019, IX R 32/17

    Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass erfolglose Bewerber um ein Mandat im Europäischen Parlament ihre Wahlkampfkosten steuerlich nicht abziehen können.

    Nach der einschlägigen Regelung im Einkommensteuergesetz (§ 22 Nummer 4 Satz 3 EStG) dürfen Wahlkampfkosten zur Erlangung eines Mandats im Bundestag, im Europäischen Parlament oder im Parlament eines Landes nicht als Werbungskosten abgezogen werden. Dies gilt unabhängig davon, ob die Kandidatur erfolgreich war oder nicht. Zu den Wahlkampfkosten zählen alle Aufwendungen, die zur Erlangung oder Wiedererlangung eines Mandats getätigt werden. Dies gilt auch für die Kosten zur Erlangung des Kandidatenstatus, die organisatorische Vorbereitung als Kandidatin sowie die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Nachrückerstatus.

    Der Gesetzgeber hat von der steuerlichen Berücksichtigung der Wahlkampfkosten u. a. deshalb abgesehen, weil der Steuervorteil je nach Höhe des individuellen Einkommens unterschiedlich hoch ausfallen würde und dadurch der Grundsatz der Chancengleichheit aller Wahlbewerber beeinträchtigt wäre. Den Parteien wird stattdessen bei Erreichen bestimmter Stimmenanteile pauschal eine steuerfreie Wahlkampfkostenerstattung gezahlt. Diese Erstattung kommt auch den Wahlbewerbern der Parteien zugute.


    Aufwendungen für einen sogenannten Schulhund als Werbungskosten

    BFH – Urteil vom 14. Januar 2021,
    VI R 15/19

    Aufwendungen für einen sogenannten Schulhund können bis zu 50 % als Werbungskosten bei den Einkünften einer Lehrerin aus nichtselbständiger Arbeit abgezogen werden. Ein hälftiger Werbungskostenabzug ist nicht zu beanstanden, wenn der Hund innerhalb einer regelmäßig fünftägigen Unterrichtswoche arbeitstäglich in der Schule eingesetzt wird.

    Die Aufwendungen für die Ausbildung eines Schulhundes zum Therapiehund sind regelmäßig in voller Höhe beruflich veranlasst und damit als Werbungskosten abziehbar.

    Zu den Werbungskosten gehören auch Aufwendungen für Arbeitsmittel (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 6 EStG). Arbeitsmittel sind alle Wirtschaftsgüter, die ausschließlich oder doch nahezu ausschließlich und unmittelbar zur Erledigung der dienstlichen Aufgaben dienen (Senatsurteile vom 23.10.1992 – VI R 31/92, BFHE 169, 350, BStBl II 1993, 193, und vom 08.11.1996 – VI R 22/96, BFH/NV 1997, 341; Senatsbeschluss vom 30.06.2010 – VI R 45/09, BFHE 230, 348, BStBl II 2011, 45).
    Bei Gegenständen, die auch im Rahmen der allgemeinen Lebensführung (§ 12 Nummer 1 Satz 2 EStG) genutzt werden können, ist für die Einordnung als Arbeitsmittel der tatsächliche Verwendungszweck im Einzelfall entscheidend (Senatsurteile vom 19.02.2004 – VI R 135/01, BFHE 205, 220, BStBl II 2004, 958; vom 20.07.2005 – VI R 50/03, BFH/NV 2005, 2185, und vom 20.05.2010 – VI R 53/09, BFHE 230, 317, BStBl II 2011, 723). Die Güter müssen ausschließlich oder zumindest weitaus überwiegend beruflich zur Einnahmeerzielung genutzt werden. Eine geringfügige private Mitnutzung ist unschädlich (Senatsurteil vom 21.10.1988 – VI R 18/86, BFHE 155, 310, BStBl II 1989, 356). Ob diese Voraussetzungen gegeben sind, ist unter Würdigung aller Umstände nach der tatsächlichen Zweckbestimmung, das heißt nach der Funktion des Wirtschaftsguts im Einzelfall, festzustellen (Senatsentscheidungen in BFHE 155, 310, BStBl II 1989, 356, und in BFHE 230, 348, BStBl II 2011, 45).

    Die Grundsätze gelten auch für die Nutzung von Tieren (vgl. § 90a des Bürgerlichen Gesetzbuchs; Senatsurteil vom 10.09.1990 – VI R 101/86, BFH/NV 1991, 234; Senatsbeschluss in BFHE 230, 348, BStBl II 2011, 45). Dient ein Hund neben beruflichen in nicht unerheblichem Umfang auch privaten Zwecken, handelt es sich nicht um ein Arbeitsmittel. Dies gilt auch, falls der Anlass für die Anschaffung im beruflichen Bereich gelegen haben sollte und er nicht angeschafft worden wäre, wenn nur eine private Nutzung beabsichtigt gewesen wäre. Liegt keine ausschließliche oder weitaus überwiegende berufliche Nutzung vor, ist auch unbeachtlich, ob die berufliche Nutzung besonders erfolgreich ist (Senatsurteil in BFH/NV 1991, 234; s.a. Senatsurteil vom 29.01.1960 – VI 9/59 U, BFHE 70, 435, BStBl III 1960, 163).

    Berufliche Veranlassung liegt vor:
    Du setzt den Hund an Deinen Unterrichtstagen mithin nahezu arbeitstäglich im Rahmen des Schulhundkonzepts in der Schule ein. Angesichts des Umfangs von regelmäßig fünf Arbeitstagen pro Woche ist die berufliche Nutzung des Hundes nicht von untergeordneter Bedeutung. Da die berufliche Verwendung des Hundes in der Regel anhand der Unterrichtstage bemessen werden kann und damit nach objektiven Maßstäben in nachprüfbarer Weise abgrenzbar ist, sind die Aufwendungen für die Haltung des Hundes aufzuteilen. Aus Vereinfachungsgründen ist ein hälftiger Werbungskostenabzug nicht zu beanstanden, wenn der Hund innerhalb einer regelmäßig fünftägigen Unterrichtswoche arbeitstäglich in der Schule eingesetzt wird.

    Aufwendungen für einen Therapiehund:
    Die Ausbildung eines Hundes zum Therapiehund ist ausschließlich beruflich veranlasst. Eine private Veranlassung ist insoweit nicht ersichtlich. Anders als der Besuch einer allgemeinen Hundeschule dient die Therapiehundeausbildung nach den den Senat bindenden Feststellungen des Finanzgerichts (§ 118 Absatz 2 FGO) dem Erlernen spezieller Fähigkeiten, um den Hund im Rahmen des Konzepts des tiergestützten Unterrichts einzusetzen.


    Aufwendungen für bürgerliche Kleidung sind auch nicht anteilig Werbungskosten

    BFH – Beschluss vom 13. November 2013, VI B 40/13

    Aufwendungen für bürgerliche Kleidung sind nach den Vorschriften über das steuerliche Existenzminimum grundsätzlich dem Anwendungsbereich des § 9 EStG entzogen. Ein –ggf. teilweiser– Abzug als Werbungskosten scheidet daher aus (vgl. Beschluss des BFH vom 21. September 2009 GrS 1/06, BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672).


    Bildschirmbrille

    BFH vom 23.10.1992 – BStBl 1993 II S. 193

    Aufwendungen für die Anschaffung medizinischer Hilfsmittel sind selbst dann nicht als Werbungskosten abziehbar, wenn sie ausschließlich am Arbeitsplatz benutzt werden.


    Videorecorder, Spielecomputer

    BFH vom 27.09.1991 – BStBl 1992 II S. 195,
    BFH vom 15.01.1993 – BStBl II S. 348

    Bei der Anschaffung von Gegenständen, die nach der Lebenserfahrung ganz überwiegend zu Zwecken der Lebensführung angeschafft werden, gelten erhöhte Anforderungen an den Nachweis der beruflichen Nutzung. BFH vom 27.09.1991 (BStBl 1992 II S. 195) – Videorecorder. BFH vom 15.01.1993 (BStBl II S. 348) – Spielecomputer.


    Transportkosten

    BFH vom 21.07.1989 – BStBl II S. 972

    Anteilige Aufwendungen für den Transport von Arbeitsmitteln bei einem privat veranlassten Umzug sind nicht als Werbungskosten abziehbar.


    Ausstattung eines häuslichen Arbeitszimmers mit Arbeitsmittel

    BMF vom 06.10.2017 – BStBl I S. 1320,

    BFH-Urteil vom 21. November 1997 –
    VI R 4/97 –, BStBl II 1998 S. 351

    https://lsth.bundesfinanzministerium.de/lsth/2018/B-Anhaenge/Anhang-19/I/inhalt.html

    Deine Aufwendungen für Arbeitsmittel sind in der Einkommensteuererklärung nicht den Kosten für das Arbeitszimmer zuzurechnen, sondern den Kosten für Arbeitsmittel. Sofern Deine Kosten für das Arbeitszimmer bereits den Höchstbetrag in Höhe von 1.250 Euro erreicht haben kannst Du zusätzlich die Kosten für die Arbeitsmittel geltend machen.

    Beispiel:

    Du bist Lehrer und benötigst für die Ausübung Deiner beruflichen Tätigkeit ein Arbeitszimmer. Die Kosten für das Arbeitszimmer belaufen sich auf insgesamt 2.500 Euro. In dem Arbeitszimmer nutzt Du Deine Arbeitsmittel wie zum Beispiel einen Papierkorb, Büromaterial und verschiedene Fachbücher. Hierfür hattest Du Ausgaben in Höhe von 1.750 Euro getätigt. Weiter hängen an Deiner Wand im Arbeitszimmer Kunstbilder für die Du 8.800 Euro investiert hast.

    Lösung:

    Als Lehrer steht Dir für Deine im Arbeitszimmer ausgeführten Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Weiter bildet das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt Deiner gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung. Dies bedingt, dass Du von Deinen Kosten in Höhe von 2.500 Euro maximal Aufwendungen in Höhe von 1.250 Euro deklarieren kannst.

    Deine Arbeitsmittel in Höhe von 1.750 Euro kannst Du in voller Höhe berücksichtigen.

    Die sich an der Wand befindenden Kunstbilder können nicht als Werbungskosten berücksichtigt werden. Luxusgegenstände wie zum Beispiel Kunstgegenstände, die vorrangig der Ausschmückung des Arbeitszimmers dienen, gehören zu den nach § 12 Nummer 1 EStG nicht abziehbaren Aufwendungen (BFH-Urteil vom 30. Oktober 1990 – VIII R 42/87 –, BStBl II 1991 S. 340).

    WerbungskostenEuro
    Arbeitszimmerkosten 1.250 Euro
    Arbeitsmittel1.750 Euro
    Insgesamt abzugsfähig3.000 Euro
    Anzusetzende Werbungskosten


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    Veröffentlicht von Steuer

    Herzlich Willkommen auf meiner Website / meinem Blog Steuerrecht. Ich bin ausgebildete Finanzwirtin und arbeite in Düren als selbständige Beratungsstellenleiterin für einen der größten Lohnsteuerhilfevereine Deutschlands. Mit meiner Website / meinem Blog möchte ich euch bei steuerlichen Fragen beratend zur Seite stehen und auch informieren. Viel Spaß beim Stöbern. Bleibt gesund.

    Ein Kommentar zu “Arbeitsmittel

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