Doppelte Haushaltsführung

interior of stylish living room with yellow soft furniture

Voraussetzung

Der Arbeitnehmer unterhält einen eigenen Hausstand am Lebensmittelpunkt und 

Der Arbeitnehmer hat dauerhaft eine erste Tätigkeitsstätte am Ort der auswärtigen Tätigkeit und 

Der Arbeitnehmer übernachtet am Beschäftigungsort (Zweitwohnung) 

Eigener Hausstand 

Grundvoraussetzung für eine doppelte Haushaltsführung ist, dass der Arbeitnehmer am Lebensmittelpunkt einen eigenen Hausstand unterhält.  

Folgende Voraussetzungen müssen für einen eigenen Hausstand erfüllt sein: 

  • Die Wohnung muss aus eigenem oder aus abgeleitetem Recht genutzt werden. (Das heißt, die Wohnung muss entweder als Eigentümer oder als Mieter genutzt werden.) 
  • Die Haushaltsführung muss im Wesentlichen mitbestimmt und im Allgemeinen müssen die Kosten für die Wohnung getragen werden. Die Nutzung eines Raumes oder mehrerer Räume im Haushalt stellt keinen eigenen Hausstand dar. 
  • Allein der Besitz einer Wohnung oder das Vorhalten für gelegentliche Besuche oder für Ferienzwecke reicht nicht aus. Der Aufenthalt in der Wohnung darf im Wesentlichen nur durch arbeitsbedingte Abwesenheit oder durch Urlaub unterbrochen werden. 

Achtung! 

Insbesondere die finanzielle Beteiligung ist zwingender gesetzlicher Tatbestand einer doppelten Haushaltsführung. 


Gemäß BMF-Schreiben gilt: 

Die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung ist darzulegen. Eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung mit Bagatellbeträgen ist nicht ausreichend. Betragen die Barleistungen mehr als 10 % der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung (z.B. Miete, Mietnebenkosten, Kosten für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs) ist von einer finanziellen Beteiligung oberhalb der Bagatellgrenze auszugehen. Liegen die Barleistungen darunter, können Sie eine hinreichende finanzielle Beteiligung auch auf andere Art und Weise darlegen.  

Beispiel zur maßgebenden finanziellen Beteiligung: 

Miete ca. 900,00 € x 12 Monate: 10.800,00 € 
Lebensmittel ca. 200,00 € x 12 Monate:     2.400,00 € 
Andere Dinge des täglichen Bedarfs  
ca. 50,00 € x 12 Monate:     600,00 € 
Insgesamt: 13.800,00 € 
      x 10 % 
1.380,00 € 

Der Arbeitnehmer muss dem Finanzamt z.B. durch Vorlage von Kontoauszügen nachweisen, dass er sich an den Gesamtkosten mit einem Betrag von ca. 1.380,00 € im Jahr beteiligt hat. 

Lebensmittelpunkt 

Der Lebensmittelpunkt ist grundsätzlich an dem Ort, an dem die Familie wohnt, der Arbeitnehmer z.B. am Vereinsleben teilnimmt, etc. 
Wird die Wohnung, bei Alleinstehenden mindestens sechsmal im Kalenderjahr und bei Verheirateten durchschnittlich mindestens zweimal monatlich aufgesucht, geht die Finanzverwaltung davon aus, dass sich dort der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet.  

Soweit Ehegatten, während der Woche beide am Beschäftigungsort wohnen erfolgt die Abgrenzung nach Auffassung des BFH insbesondere durch folgende Tatbestände: 

  • Aufenthaltszeiten in den beiden Wohnungen 
  • Größe und Ausstattung der Wohnungen 
  • Anzahl der nachgewiesenen Heimfahrten 

Wegverlegung des Lebensmittelpunktes 

Verlegt der Arbeitnehmer seinen eigenen Haupthausstand vom Arbeitsort weg und unterhält am Arbeitsort einen Zweithaushalt, liegt ebenfalls eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung vor. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: 

  • Der Lebensmittelpunkt, der vom Arbeitsort wegverlegt wird, muss dauerhaft wegverlegt werden. 
  • Die Kosten für den Umzug in eine andere Unterkunft am Beschäftigungsort stellen Werbungskosten dar. 
  • Die Kosten für den Umzug der Wegverlegung des Lebensmittelpunktes vom Beschäftigungsort sind privat veranlasst und nicht abzugsfähig. 
  • Die doppelte Haushaltsführung beginnt durch die Wegverlegung des Hausstandes. Für die ersten drei Monate sind Verpflegungsmehraufwendungen abzugsfähig. 

Dauerhaft (Dauerhaft heißt mehr als 48 Monate) 

Zuerst einmal muss festgestellt werden ob und wo der Arbeitnehmer eine erste Tätigkeitsstätte hat. Nur wenn der Arbeitnehmer über eine erste Tätigkeitsstätte verfügt, kann eine doppelte Haushaltsführung in Betracht kommen. Bei der doppelten Haushaltsführung handelt es sich um eine dauerhafte Auswärtstätigkeit in Abgrenzung zur vorübergehende Auswärtstätigkeit.


Berufliche Veranlassung 

Wenn aus beruflichem Anlass zusätzlich zu einer Hauptwohnung ein zweiter Haushalt am Beschäftigungsort hinzukommt, z.B. um den Arbeitsplatz von dort aus erreichen zu können, wird eine doppelte Haushaltsführung grundsätzlich anerkannt. 

Zweitwohnung am Tätigkeitsort 

Jede Unterkunft die der Arbeitnehmer entgeltlich oder unentgeltlich nutzt: 

  • Eigene oder angemietete Wohnung
  • Möbliertes Zimmer oder Appartement
  • Hotelzimmer
  • Gemeinschaftsunterkunft in einer Kaserne
  • Hotelzimmer
  • Wohnwagen

Diese Kosten sind als Werbungskosten abzugsfähig! 

  • Fahrtkosten 
  • Verpflegungsmehraufwendungen 
  • Kosten für die Zweitwohnung am Beschäftigungsort 
  • Umzugskosten 

Fahrtkosten 

  • Für die erste Fahrt zu Beginn und die letzte Fahrt bei Beendigung der doppelten Haushaltsführung können entweder die tatsächlichen Kosten oder die tatsächlich gefahrenen Kilometer x 0,30 € Kilometerpauschale (Reisekostenpauschale) berücksichtigt werden. 
  • Für jeweils eine tatsächlich durchgeführte wöchentliche Heimfahrt (Familienheimfahrt) ist die Entfernungspauschale anzusetzen, das heißt Entfernungskilometer für eine Strecke x 0,30 €. 
  • Umgekehrte Familienheimfahrten sind Fahrten, die die Familie als Besuchsfahrten zum Beschäftigungsort des Arbeitnehmers durchführt. Diese sind grundsätzlich nicht berücksichtigungsfähig, es sei denn der Arbeitnehmer kann z.B. aus gesundheitlichen Gründen die Heimreise nicht antreten. 
  • Ein Arbeitnehmer mit einem Grad der Behinderung von 70 oder mindestens 50 und dem Merkzeichen G kann statt der Entfernungspauschale die Kilometerpauschale geltend machen, d.h. tatsächlich gefahrene Kilometer x 0,30 €. 
  • Familienheimfahrten mit dem Firmen-PKW sind nicht abzugsfähig 
  • Für die Jahre 2021 – 2023 beträgt die Entfernungspauschale 0,35 € ab dem 21. Kilometer und für die Jahre 2024 – 2026 sogar 0,38 € ebenfalls ab dem 21. Kilometer. 

Achtung:

Das Finanzamt fordert einen Nachweis, dass die Fahrten auch tatsächlich durchgeführt worden sind. Der Nachweis kann erbracht werden durch TÜV-Berichte, Werkstattrechnungen, etc., da hier die Kilometerstände bescheinigt werden. 

Wahlrecht: 

Führt der Arbeitnehmer mehr als eine wöchentliche Heimfahrt durch, kann er wählen ob er  

  1. Die tatsächlich durchgeführten Fahrten mit der Entfernungspauschale ansetzet, dafür aber keine weiteren Kosten geltend machen kann oder aber 
  1. Eine wöchentliche Heimfahrt mit der Entfernungspauschale geltend macht und zusätzlich weitere Kosten wie z.B. die Unterkunftskosten am Beschäftigungsort absetzt.

Beispiel zum Wahlrecht:

Der Arbeitnehmer begründet eine doppelte Haushaltsführung. Für die Zweitwohnung entstehen ihm Kosten in Höhe von 3.000,00 € im Jahr. Zusätzlich kann er belegen, dass er 138 Heimfahrten (3 Fahrten je Woche) durchgeführte. Die kürzeste Straßenverbindung beträgt 160 Kilometer. 

Alternative A: 
Fahrtkosten in Höhe von 138 x 160 Km x 0,30 €: 6.624,00 € 

Alternative B: 
Fahrtkosten in Höhe von 46 x 160 Km x 0,30 €: 2.208,00 € 
Mietaufwendungen in Höhe von:         3.000,00 € 
Abzugsfähige Kosten: 5.208,00 € 

Der Arbeitnehmer wählt die Alternative A, nämlich den Ansatz der Entfernungspauschale für alle durchgeführten Fahrten. 

Mehraufwendungen für Verpflegung 

  • Verpflegungsmehraufwendungen sind lediglich für die ersten drei Monate abzugsfähig. 
  • Die Dreimonatsfrist beginnt erst nach Bezug der Wohnung am Beschäftigungsort. 
  • Sie werden für jeden Tag, an dem der Arbeitnehmer aufgrund des Bezugs der Zweitwohnung von seiner Wohnung am Lebensmittelpunkt abwesend ist, gewährt.  
  • Wird die Tätigkeit an dem Beschäftigungsort z.B. durch eine vorübergehende Tätigkeit an einem anderen Beschäftigungsort unterbrochen, beginnt die Dreimonatsfrist nach Rückkehr zum bisherigen Beschäftigungsort nur dann wieder neu, wenn die Unterbrechung mindestens 4 Wochen beträgt. 
  • Ist der doppelten Haushaltsführung bereits eine Auswärtstätigkeit an dem neuen Beschäftigungsort unmittelbar vorausgegangen, so ist deren Dauer auf die Dreimonatsfrist anzurechnen. 
  • Erhält der Arbeitnehmer auf Veranlassung seines Arbeitgebers Mahlzeiten gestellt, so wird der Verpflegungsmehraufwand in Höhe von 14 € für mindestens 8 Stunden Abwesenheit und 28 € bei Übernachtung entsprechend gekürzt. Kürzung in Höhe von 5,60 € / 2,80 € (20 % von 28 € und 20 % von 14 €) für das Frühstück und jeweils 11,20 € / 5,60 € (jeweils 40 % von 28 € und von 14 €) für das Mittag- und das Abendessen. 
  • Für jeden Tag, an dem Du auswärts übernachtest, kannst Du eine Pauschale für Verpflegungsmehraufwendungen in Höhe von 28,00 € als Werbungskosten geltend machen. 
    Für den An- und Abreisetag kannst Du eine Pauschale in Höhe von 14,00 € als Werbungskosten berücksichtigen.  

Kosten für die Zweitwohnung 

Aufwendungen sind maximal bis zu einem Betrag von 1.000,00 € monatlich abzugsfähig für: 

  • Wohnungsmiete 
  • Nebenkosten  
  • Reinigungskosten 
  • Zweitwohnungssteuer 
  • Absetzung für Abnutzung für Einrichtungsgegenstände 
  • GEZ-Gebühren 
  • KFZ-Stellplatz / Separat angemieteter Garagenplatz 
  • Schuldzinsen bei einem Eigenheim 
  • Absetzung für Abnutzung für die Anschaffungskosten bei einem Eigenheim 
  • Renovierungskosten / Schönheitsreparaturen 
  • Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände: Bett, Tisch, etc. Mit einem Anschaffungswert von über 410 € netto werden auf 10 Jahre abgeschrieben 
  • Soweit der monatliche Höchstbetrag in Höhe von 1.000,00 € nicht ausgeschöpft wird, ist eine Übertragung des nicht ausgeschöpften Volumens in andere Monate im selben Kalenderjahr möglich. 

Umzugskosten 

  • Die Umzugskostenpauschale für sonstige Umzugskosten ist nicht abzugsfähig. 
  • Nur die tatsächlich entstandenen Umzugskosten, z.B. Transportkosten für die Möbel, Fahrten zur Wohnungssuche sind abzugsfähig. 
  • Wenn die Hauptwohnung an den Arbeitsort verlegt wird, können sowohl die Umzugskostenpauschale als auch die tatsächlichen Umzugskosten gemeinsam berücksichtigt werden. 

Erstattungen durch den Arbeitgeber 

Soweit der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer steuerfreie Erstattungen leistet, mindern diese den Werbungskostenabzug. 

Quellenangabe:

§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nr. 5 EStG (Doppelte Haushaltsführung) 
§ 9 Absatz 4a EStG (Verpflegungsmehraufwendungen) 
R 9.10 LStR (Fahrtkosten) 
R 9.11 LStR (Doppelte Haushaltsführung) 
BMF-Schreiben vom 24.10.2014, Rz. 100 (eigener Hausstand) 
BMF-Schreiben vom 24.10.2014, Rz. 105 (Höchstbetrag 1.000,00 € monatlich) 

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Veröffentlicht von Steuer

Herzlich Willkommen auf meiner Website / meinem Blog Steuerrecht. Ich bin ausgebildete Finanzwirtin und arbeite in Düren als selbständige Beratungsstellenleiterin für einen der größten Lohnsteuerhilfevereine Deutschlands. Mit meiner Website / meinem Blog möchte ich euch bei steuerlichen Fragen beratend zur Seite stehen und auch informieren. Viel Spaß beim Stöbern. Bleibt gesund.

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