Doppelte Haushaltsführung

interior of stylish living room with yellow soft furniture
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BMF vom 25.11.2020 – BStBl I S. 1228


Voraussetzungen

  • Du bist Arbeitnehmer/-in und hast einen eigenen Hausstand an Deinem Lebensmittelpunkt und 
  • Deine dauerhafte erste Tätigkeitsstätte befindet sich am Ort Deiner auswärtigen Tätigkeit und 
  • Du übernachtest am Beschäftigungsort (in der Zweitwohnung) 
Eine doppelte Haushaltsführung liegt nicht vor, solange Deine auswärtige Beschäftigung als Auswärtstätigkeit anzuerkennen ist.

Ehegatten/Lebenspartner

Bei verheirateten Arbeitnehmern kann für jeden Ehegatten eine doppelte Haushaltsführung beruflich veranlasst sein, wenn die Ehegatten außerhalb des Ortes ihres gemeinsamen Hausstands an verschiedenen Orten beschäftigt sind und am jeweiligen Beschäftigungsort eine Zweitwohnung beziehen (BFH vom 06.10.1994 – BStBl 1995 II S. 184). Entsprechendes gilt für Lebenspartnerschaften (https://ste-u-err-echt.com/§-2-absatz-8-estg/)

Die Mitnahme des nicht berufstätigen Ehegatten an den Beschäftigungsort steht der beruflichen Veranlassung einer doppelten Haushaltsführung nicht entgegen.

Berufliche Veranlassung 

Eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn aus beruflicher Veranlassung in Deiner Wohnung am Beschäftigungsort ein zweiter (doppelter) Haushalt zum Hausstand hinzutritt. Der Haushalt in Deiner Wohnung am Beschäftigungsort ist beruflich veranlasst, wenn Du diesen nutzt, um Deinen Arbeitsplatz von dort aus erreichen zu können (BFH vom 05.03.2009 – BStBl II S. 1012 und 1016)
Eine aus beruflichem Anlass begründete doppelte Haushaltsführung kann auch dann vorliegen, wenn Du Deinen Hausstand aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegst und Du darauf in einer Wohnung am Beschäftigungsort einen Zweithaushalt begründest, um von dort Deiner bisherigen Beschäftigung weiter nachgehen zu können (BFH vom 05.03.2009 – BStBl II S. 1012 und 1016).
Der berufliche Veranlassungszusammenhang einer doppelten Haushaltsführung wird nicht allein dadurch beendet, dass Du Deinen Familienhausstand innerhalb desselben Ortes verlegst (BFH vom 04.04.2006 – BStBl II S. 714).
Berufliche Gründe für das Beziehen einer Zweitwohnung können sein:
– Ein Wechsel des Beschäftigungsortes auf Grund einer Versetzung.
– Die erstmalige Begründung eines Dienstverhältnisses.
– Der Wechsel des Dienstverhältnisses (Jobwechsel).

Eheschließung/Begründung einer Lebenspartnerschaft

Eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung liegt in den Fällen vor, in denen der eigene Hausstand nach der Eheschließung am Beschäftigungsort des ebenfalls berufstätigen Ehegatten begründet worden ist (BFH vom 06.09.1977 – BStBl 1978 II S. 32, vom 20.03.1980 – BStBl II S. 455 und vom 04.10.1989 – BStBl 1990 II S. 321).

Eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung liegt in den Fällen vor, in denen der eigene Hausstand wegen der Aufnahme einer Berufstätigkeit des Ehegatten an dessen Beschäftigungsort verlegt und am Beschäftigungsort eine Zweitwohnung des Arbeitnehmers begründet worden ist (BFH vom 02.10.1987 – BStBl II S. 852). Entsprechendes gilt für Lebenspartnerschaften (https://ste-u-err-echt.com/§-2-absatz-8-estg/).

Ist der doppelte Haushalt beruflich begründet worden, ist es unerheblich, ob der gemeinsame Wohnsitz beiderseits berufstätiger Ehegatten/Lebenspartner über die Jahre gleich bleibt oder verändert wird (BFH vom 30.10.2008 – BStBl 2009 II S. 153).

Zuzug aus dem Ausland

Bei einem Zuzug aus dem Ausland kann das Beziehen einer Zweitwohnung auch dann beruflich veranlasst sein, wenn Du politisches Asyl beantragst oder bekommst.

Eigener Hausstand 

Grundvoraussetzung für eine doppelte Haushaltsführung ist, dass Du am Lebensmittelpunkt Deinen eigenen Hausstand führst.  

Folgende Voraussetzungen müssen für einen eigenen Hausstand erfüllt sein: 
– Die Wohnung muss grundsätzlich aus eigenem Recht, zum Beispiel als Eigentümer oder als Mieter genutzt werden. Allerdings kann auch ein gemeinsames oder abgeleitetes Nutzungsrecht ausreichen (BFH vom 05.10.1994 – BStBl 1995 II S. 180 und BMF vom 25.11.2020 – BStBl I S. 1228, Rz. 101)Ein eigener Hausstand wird auch anerkannt, wenn die Wohnung zwar allein von Deinem Lebensgefährten angemietet wurde, Du Dich aber mit seiner Duldung dauerhaft dort aufhälst und Dich finanziell in einem Umfang an der Haushaltsführung beteiligst, dass daraus auf eine gemeinsame Haushaltsführung geschlossen werden kann (BFH vom 12.09.2000 – BStBl 2001 II S. 29).
– Bei einem alleinstehenden Arbeitnehmer ist zu prüfen, ob er einen eigenen Hausstand unterhält oder in einen fremden Haushalt eingegliedert ist; er muss sich an den Kosten beteiligen (BMF vom 25.11.2020 BStBl I S. 1228, Rz. 101). Das heißt, dass Du die Haushaltsführung im Wesentlichen mitbestimmen und im Allgemeinen die Kosten für die Wohnung tragen musst. Die Nutzung eines Raumes oder mehrerer Räume im Haushalt stellt keinen eigenen Hausstand dar. 
– Ein eigener Hausstand liegt nicht vor bei Arbeitnehmern, die – wenn auch gegen Kostenbeteiligung – in den Haushalt der Eltern eingegliedert sind oder in der Wohnung der Eltern lediglich ein Zimmer bewohnen (BFH vom 05.10.1994 – BStBl 1995 II S. 180).
– Allein der Besitz einer Wohnung oder das Vorhalten für gelegentliche Besuche oder für Ferienzwecke reicht nicht aus. Der Aufenthalt in der Wohnung darf im Wesentlichen nur durch arbeitsbedingte Abwesenheit oder durch Urlaub unterbrochen werden. 
– Bei größerer Entfernung zwischen Deiner Wohnung und Deiner Zweitwohnung, insbesondere bei einer Wohnung im Ausland, reicht bereits eine Heimfahrt im Kalenderjahr aus, um diese als Lebensmittelpunkt anzuerkennen, wenn in der Wohnung auch bei Deiner Abwesenheit hauswirtschaftliches Leben herrscht, an dem Du persönlich mitwirkst und Dich finanziell beteiligst.
– Bei Arbeitnehmern mit einer Wohnung in weit entfernt liegenden Ländern, zum Beispiel Australien, Indien, Japan, Korea oder Philippinen reicht es aus, wenn Du innerhalb von zwei Jahren mindestens eine Heimfahrt unternimmst.
– Ein Vorbehaltsnießbrauch zu Gunsten der Eltern an einem Zweifamilienhaus eines unverheirateten Arbeitnehmers schließt nicht aus, dass dieser dort einen eigenen Hausstand als Voraussetzung für eine doppelte Haushaltsführung unterhält, wenn gesichert ist, dass er die Wohnung nicht nur vorübergehend nutzen kann; bei dieser Prüfung kommt es auf den Fremdvergleich nicht an (BFH vom 04.11.2003 – BStBl 2004 II S. 16).
– Unterhält ein unverheirateter Arbeitnehmer am Ort des Lebensmittelpunkts seinen Hausstand, so kommt es für das Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung nicht darauf an, ob die ihm dort zur ausschließlichen Nutzung zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten den bewertungsrechtlichen Anforderungen an eine Wohnung gerecht werden (BFH vom 14.10.2004 – BStBl 2005 II S. 98).

Achtung!

Insbesondere die finanzielle Beteiligung ist zwingender gesetzlicher Tatbestand einer doppelten Haushaltsführung. 


Gemäß BMF-Schreiben gilt: 

Die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung ist darzulegen. Eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung mit Bagatellbeträgen ist nicht ausreichend. Betragen die Barleistungen mehr als 10 % der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung (zum Beispiel Miete, Mietnebenkosten, Kosten für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs) ist von einer finanziellen Beteiligung oberhalb der Bagatellgrenze auszugehen. Liegen die Barleistungen darunter, können Sie eine hinreichende finanzielle Beteiligung auch auf andere Art und Weise darlegen.  

Beispiel zur maßgebenden finanziellen Beteiligung: 

Miete ca. 900,00 Euro x 12 Monate10.800,00 Euro
Lebensmittel ca. 200,00 Euro x 12 Monate2.400,00 Euro
Andere Dinge des täglichen Bedarfs ca. 50,00 Euro x 12 Monate600,00 Euro
Insgesamt13.800,00 Euro
Grenze von 10 Prozentx 10 %
Kostenbeteiligung in Höhe von1.380,00 Euro
Beispiel zur maßgebenden finanziellen Beteiligung

Dem Finanzamt gegenüber musst Du durch Vorlage von Kontoauszügen nachweisen, dass Du Dich an den Gesamtkosten in Höhe von 13.800,00 Euro im Jahr (1.150,00 Euro im Monat) mit einem Betrag von mindestens 1.380,00 Euro im Jahr (95,83 Euro im Monat) beteiligt hast. 

Lebensmittelpunkt

Ob Deine außerhalb des Beschäftigungsortes belegene Wohnung (Hauptwohnung) als Mittelpunkt Deiner Lebensinteressen anzusehen ist und deshalb Deinen Hausstand darstellt, ist anhand einer Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls festzustellen (BFH vom 08.10.2014 – BStBl 2015 II S. 511 zu beiderseits berufstätigen Lebensgefährten).


Lebensmittelpunkt  bei Alleinstehenden

Bei einem Alleinstehenden befindet sich der Lebensmittelpunkt an dem Ort, zu dem der Alleinstehende die engeren persönlichen Beziehungen hat (zum Beispiel Bindung an das Elternhaus, den Freundeskreis oder den Lebensgefährten, die Vereinszugehörigkeit). Wird diese Wohnung durchschnittlich mindestens zweimal monatlich von Dir aufgesucht, geht das Finanzamt davon aus, dass sich dort der Mittelpunkt Deiner Lebensinteressen befindet.


Lebensmittelpunkt  bei Verheirateten

Bei verheirateten Arbeitnehmern ist der Lebensmittelpunkt regelmäßig dort, wo sich die Familie aufhält. Wird diese Wohnung mindestens sechsmal im Kalenderjahr von Dir aufgesucht, geht die Finanzverwaltung davon aus, dass diese Wohnung Dein Lebensmittelpunkt darstellt.

Soweit Ehegatten, während der Woche beide am Beschäftigungsort wohnen erfolgt die Abgrenzung nach Auffassung des BFH insbesondere durch folgende Tatbestände: 

  • Aufenthaltszeiten in den beiden Wohnungen 
  • Größe und Ausstattung der Wohnungen 
  • Anzahl der nachgewiesenen Heimfahrten 

BFH-Urteil vom 7. Mai 2015, VI R 71/14
Doppelte Haushaltsführung bei beiderseits berufstätigen Eheleuten
https://ste-u-err-echt.com/bfh7515-2/


BFH-Beschluss vom 29. Oktober 2012, VI B 102/12
Doppelte Haushaltsführung,
eigener Hausstand bei Eheleuten; grundsätzliche Bedeutung
https://ste-u-err-echt.com/beschluss291012/


Wegverlegung des Lebensmittelpunktes 

Verlegst Du Deinen eigenen Haupthausstand vom Arbeitsort weg und hast am Arbeitsort einen Zweithaushalt, liegt ebenfalls eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung vor. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: 

  • Der Lebensmittelpunkt, der vom Arbeitsort wegverlegt wird, muss dauerhaft wegverlegt werden. 
  • Die Kosten für den Umzug in eine andere Unterkunft am Beschäftigungsort stellen Werbungskosten dar. 
  • Die Kosten für den Umzug der Wegverlegung des Lebensmittelpunktes vom Beschäftigungsort sind privat veranlasst und nicht abzugsfähig. 
  • Die doppelte Haushaltsführung beginnt durch die Wegverlegung des Hausstandes. Für die ersten drei Monate sind Verpflegungsmehraufwendungen abzugsfähig. 

Beispiel zur Wegverlegung des Lebensmittelpunktes:

Ulf und Petra leben mit ihren beiden Kindern in einer Wohnung in Stuttgart, in deren Nähe sich auch die erste Tätigkeitsstätte von Ulf befindet. Überdrüssig vom Leben in der Stadt ziehen sie zum 01.01.2021 nach Carolinensiel (Stadtteil von Wittmund), wo sie eine wunderschöne Villa mit Seeblick erwerben. Die Wohnung in Stuttgart wird verkauft.
Da die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu groß ist, mietet Ulf in Stuttgart eine kleine Wohnung an, von der aus er während der Woche seine regelmäßige Arbeitsstätte aufsucht. Am Wochenende fährt er regelmäßig nach Wittmund zu seiner Familie.

Lösung zur Wegverlegung des Lebensmittelpunktes:

Ab Januar 2021 liegt eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung vor. Der Lebensmittelpunkt von Ulf befindet sich ab Januar 2021 in Wittmund am Wohnort seiner Familie.


BFH-Urteil vom 10. März 2010 VI R 47/09
Doppelte Haushaltsführung: sog. Wegverlegungsfälle
https://ste-u-err-echt.com/bfh10310/


Rückumzug

Rückumzug
In den Fällen, in denen bereits zum Zeitpunkt der Wegverlegung des Lebensmittelpunktes vom Beschäftigungsort ein Rückumzug an den Beschäftigungsort geplant ist oder feststeht, handelt es sich nicht um eine doppelte Haushaltsführung im Sinne des § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 EStG https://ste-u-err-echt.com/%c2%a7-9-abs1-nr5/.
Rückumzug

Dauerhaft 
(Dauerhaft heißt mehr als 48 Monate) 

Zuerst einmal muss festgestellt werden ob und wo Du eine erste Tätigkeitsstätte hast. Nur wenn Du über eine erste Tätigkeitsstätte verfügst, kann eine doppelte Haushaltsführung in Betracht kommen. Bei der doppelten Haushaltsführung handelt es sich um eine dauerhafte Auswärtstätigkeit in Abgrenzung zur vorübergehende Auswärtstätigkeit.

Zweitwohnung am Tätigkeitsort 

Als Zweitwohnung am Beschäftigungsort kommt jede Dir entgeltlich oder unentgeltlich zur Verfügung stehende Unterkunft in Betracht.

Beispielhafte Aufzählung:

  • Eine eigene oder angemietete Wohnung;
  • ein möbliertes Zimmer oder Appartement;
  • ein Hotelzimmer;
  • die Gemeinschaftsunterkunft (BFH vom 03.10.1985 – BStBl 1986 II S. 369);
  • bei Soldaten die Unterkunft in der Kaserne (BFH vom 20.12.1982 – BStBl 1983 II S. 269);
  • der Wohnwagen.

Eine Wohnung dient dem Wohnen am Beschäftigungsort, wenn sie Dir ungeachtet von Gemeinde- oder Landesgrenzen ermöglicht, Deine Arbeitsstätte täglich aufzusuchen (BFH vom 19.04.2012 – BStBl II S. 833).

Es ist gleichgültig, ob Du die Zweitwohnung in zeitlichem Zusammenhang mit dem Wechsel Deines Beschäftigungsorts, nachträglich (BFH vom 09.03.1979 – BStBl II S. 520) oder im Rahmen eines Umzugs aus einer privat begründeten Zweitwohnung (BFH vom 26.08.1988 – BStBl 1989 II S. 89) bezogen hast.

Es ist unerheblich, wie oft Du tatsächlich in der Zweitwohnung übernachtest
(BFH vom 09.06.1988 – BStBl II S. 990).
Eine Zweitwohnung in der Nähe des Beschäftigungsorts steht einer Zweitwohnung am Beschäftigungsort gleich.

Beibehaltung der Wohnung

1. Ist der doppelte Haushalt beruflich begründet worden, ist es unerheblich, ob in der Folgezeit auch die Beibehaltung beider Wohnungen beruflich veranlasst ist (BFH vom 30.09.1988 – BStBl 1989 II S. 103).

BFH vom 30.09.1988 – BStBl 1989 II S. 103

Amtlicher Leitsatz:

1. Nach § 9 Absatz 1 Nummer 5 EStG in der ab 1978 geltenden Fassung kann eine aus beruflichem Anlass begründete doppelte Haushaltsführung durch bloßen Zeitablauf ihre berufliche Veranlassung nicht verlieren.

2. Eine bereits früher begründete doppelte Haushaltsführung ist ab dem Veranlagungszeitraum 1978 nach der neuen Rechtslage zu beurteilen.

Tatbestand:

Der Kläger und Revisionskläger (Kläger) ist türkischer Staatsangehöriger und seit 1972 in der Bundesrepublik Deutschland (Bundesrepublik) als Arbeitnehmer tätig. Seine Ehefrau und seine vier Kinder leben in der Türkei. In seinem Antrag auf Lohnsteuer-Jahresausgleich für das Streitjahr 1979 machte der Kläger unter anderem Aufwendungen für doppelte Haushaltsführung als Werbungskosten geltend, die der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt – FA -) auch in der Einspruchsentscheidung nicht anerkannte, weil der Kläger seine maßgebliche finanzielle Beteiligung am Familienhaushalt nicht nachgewiesen habe.

Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab und führte aus: Mehraufwendungen wegen doppelter Haushaltsführung seien nur dann als Werbungskosten im Sinne des § 9 Absatz 1 Nummer 5 EStG abziehbar, wenn nicht nur die Entstehung, sondern auch die Beibehaltung der doppelten Haushaltsführung beruflich veranlasst sei (Urteil des Bundesfinanzhofs – BFH – vom 02. September 1977 VI R 114/76, BFHE 123, 444, BStBl II 1978, 26). Da der Kläger bis zum Streitjahr bereits etwa acht Jahre habe verstreichen lassen, ohne eine Zusammenlegung der beiden Haushalte herbeizuführen, gehe der Senat davon aus, dass private Gründe die ehemals berufliche Veranlassung der doppelten Haushaltsführung derart überlagerten, dass die Mehraufwendungen als Kosten der allgemeinen Lebensführung im Sinne des § 12 Nummer 1 Satz 2 EStG anzusehen und deshalb nicht zu berücksichtigen seien. Dieses Ergebnis werde nicht durch die erstmals ab 1978 und damit auch für das Streitjahr anzuwendende geänderte Fassung des § 9 Absatz 1 Nummer 5 EStG beeinflusst. Denn die Neufassung bringe hinsichtlich des Streitfalles keine Änderung der bisherigen Rechtslage. Es bleibe dabei, dass privat veranlasste Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung auch dann nicht abziehbar seien, wenn die Begründung der doppelten Haushaltsführung beruflich veranlasst gewesen sei. Die privaten Gründe bestünden hier darin, dass der Kläger den Wohnsitz seiner Familienangehörigen nicht an seinen Beschäftigungsort verlegt habe.

Mit der Revision rügt der Kläger die Verletzung des § 9 Absatz 1 Nummer 5 EStG in der für das Streitjahr geltenden Fassung. Hiernach sei die Dauer der doppelten Haushaltsführung unbedeutend, es komme nur auf die Umstände der ursprünglichen Entstehung an. Die Auffassung des FG sei vom Gesetz nicht gedeckt.

Entscheidungsgründe:

Gemäß § 9 Absatz 1 Nummer 5 EStG in der für das Streitjahr geltenden Fassung sind Werbungskosten notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen, und zwar unabhängig davon, aus welchen Gründen die doppelte Haushaltsführung beibehalten wird.

Im Streitfall ist das FG stillschweigend davon ausgegangen, dass die Begründung der doppelten Haushaltsführung des Klägers im Jahre 1972 beruflich veranlasst war. Diese Annahme ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden, da der Kläger als türkischer Gastarbeiter in der Bundesrepublik eine Beschäftigung aufnahm, während seine Familie in der Türkei zurückblieb.

Zu Unrecht hat das FG jedoch angenommen, dass allein wegen des Zeitablaufs von etwa acht Jahren seit der beruflich veranlassten Begründung der doppelten Haushaltsführung die durch die Haushaltsführung am Beschäftigungsort entstandenen Mehraufwendungen gemäß § 12 Nummer 1 Satz 2 EStG vom Abzug ausgeschlossen seien. Der Senat braucht im Streitfall nicht die grundsätzliche Frage zu entscheiden, ob die Beibehaltung der doppelten Haushaltsführung überhaupt noch beruflich veranlasst sein muss. Denn nach der Neufassung des § 9 Absatz 1 Nummer 5 EStG (Art. 2 Nrn. 2 und 4b des Gesetzes zur Änderung des Entwicklungsländer-Steuergesetzes und des EStG vom 21. Mai 1979, BStBl I 1979, 288), die nach § 52 Absatz 11a EStG 1979 erstmals für den Veranlagungszeitraum 1978 anzuwenden ist, hat der Gesetzgeber jedenfalls klargestellt, dass eine aus beruflichem Anlass begründete doppelte Haushaltsführung durch bloßen Zeitablauf ihre berufliche Veranlassung nicht verlieren kann. Auf die Zumutbarkeit eines Umzugs kommt es also – entgegen der Auffassung des FG – nicht mehr an. Dies ergibt sich aus dem eindeutigen Wortlaut des Gesetzes; hierüber besteht, soweit ersichtlich, in der Literatur auch kein Streit.

Im vorliegenden Streitfall ergibt sich auch nicht deshalb ein anderes Ergebnis, weil die doppelte Haushaltsführung des Klägers bereits im Jahre 1972, also noch vor Inkrafttreten der Neufassung des § 9 Absatz 1 Nummer 5 EStG, begründet worden war. Denn gemäß dem Grundsatz der Abschnittsbesteuerung hat der Senat die Voraussetzung des Werbungskostenabzugs bei Aufwendungen wegen doppelter Haushaltsführung nach der für das Streitjahr geltenden Gesetzeslage zu beurteilen. Durch diese aber ist der entgegenstehenden Rechtsprechung des BFH, die nach Ablauf von zwei Jahren grundsätzlich nicht mehr von der beruflichen Veranlassung einer doppelten Haushaltsführung ausging, ab dem Veranlagungszeitraum 1978 der Boden entzogen worden.

Die Vorentscheidung, die der Rechtsauffassung des Senats nicht entspricht, ist aufzuheben. Die Sache ist nicht spruchreif, so dass sie gemäß § 126 Absatz 3 Nummer 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) an das FG zurückzuverweisen ist. Dieses wird nunmehr zu prüfen haben, ob sich der Kläger finanziell am Haushalt in der Türkei beteiligt hat und ggf. wie hoch die durch die doppelte Haushaltsführung entstandenen Mehraufwendungen waren.


2. Nach einer mehrmonatigen Beurlaubung kann in der alten Wohnung am früheren Beschäftigungsort auch erneut eine doppelte Haushaltsführung begründet werden (BFH vom 08.07.2010 – BStBl 2011 II S. 47).

BFH vom 08.07.2010 – BStBl 2011 II S. 47

Amtlicher Leitsatz:

1. Wurde eine doppelte Haushaltsführung beendet, kann sie am früheren Beschäftigungsort auch in der dazu schon früher genutzten Wohnung erneut begründet werden.

2. Eine doppelte Haushaltsführung ist regelmäßig dann beendet, wenn der Haushalt in der Wohnung am Beschäftigungsort nicht mehr geführt wird.

Entscheidungsgründe:

„Von der Beibehaltung der doppelten Haushaltsführung ist deren Beendigung abzugrenzen. Erst mit Beendigung der doppelten Haushaltsführung scheidet der Werbungskostenabzug aus. Eine doppelte Haushaltsführung ist regelmäßig dann beendet, wenn der Haushalt in der Wohnung am Beschäftigungsort nicht mehr geführt wird. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Steuerpflichtige die Familienwohnung an den Beschäftigungsort oder in dessen Einzugsbereich verlagert und seinen dort geführten zweiten Haushalt aufgibt oder wenn er den Zweithaushalt nicht mehr führt, weil er seine regelmäßige Arbeitsstätte aufgibt und an einem anderen Ort tätig wird. Nach Beendigung einer doppelten Haushaltsführung kann der Steuerpflichtige unter den Voraussetzungen des § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 2 EStG erneut eine doppelte Haushaltsführung aus beruflichem Anlass, gegebenenfalls auch am früheren Beschäftigungsort und in der Wohnung, in der er bereits früher einen Zweithaushalt errichtet hatte, begründen.“

„Dem steht nicht entgegen, dass der Kläger seine Eigentumswohnung in A während seines Aufenthalts in B nicht veräußert, sondern im Hinblick auf die Rückkehr an seine frühere Arbeitsstätte beibehalten hat. Denn die erneute Begründung einer doppelten Haushaltsführung am früheren Beschäftigungsort setzt nicht voraus, dass der Arbeitnehmer dort eine neue Wohnung nimmt. Es kommt auch nicht darauf an, dass dem Kläger die Verpflegungssituation am Beschäftigungsort bekannt war. Denn der Abzug von Mehraufwendungen für die Verpflegung während der Dreimonatsfrist ist generell von der konkreten Verpflegungssituation unabhängig (BFH-Urteil vom 16. November 2005 VI R 12/04, BFHE 212, 64, BStBl II 2006, 267). „

Beschäftigung am Hauptwohnsitz

Deine Aufwendungen für eine Zweitwohnung an einem auswärtigen Beschäftigungsort sind auch dann wegen doppelter Haushaltsführung als Werbungskosten abziehbar, wenn Du zugleich am Ort Deines Hausstandes beschäftigt bist (BFH vom 24.05.2007 – BStBl II S. 609).

BFH vom 24.05.2007 – BStBl II S. 609

Amtlicher Leitsatz:

Aufwendungen eines Arbeitnehmers für eine Zweitwohnung an einem auswärtigen Beschäftigungsort sind auch dann wegen doppelter Haushaltsführung als Werbungskosten abziehbar, wenn der Arbeitnehmer zugleich am Ort seines Hausstands beschäftigt ist.

Tatbestand:

In dem vorgenannten BFH vom 24.05.2007 hatte der Kläger seine Dienstpflichten sowohl in der Stadt Berlin als auch in der Stadt Bonn zu erfüllen. Neben seinem Hauptwohnsitz in Berlin unterhielt der Kläger eine Zweitwohnung in Bonn.

Entscheidungsgründe:

„Entgegen der Ansicht der Vorinstanz wird die doppelte Haushaltsführung nicht dadurch ausgeschlossen, dass der Kläger auch am Ort seines Hauptwohnsitzes beschäftigt war. Eine derartige Einschränkung der doppelten Haushaltsführung ergibt sich nicht aus dem Wortlaut des § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 2 EStG. Denn die Vorschrift sieht ihrem Wortlaut nach nicht vor, dass der Steuerpflichtige ausschließlich außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und auch am Beschäftigungsort wohnt.“

„Voraussetzung für das Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung ist vielmehr eine Aufspaltung der normalerweise einheitlichen Haushaltsführung auf zwei verschiedene Haushalte. Eine solche Aufspaltung ist aber auch gegeben, wenn der Steuerpflichtige am Ort seiner zweiten Arbeitsstätte für die dortigen Arbeitseinsätze eine zweite Wohnung unterhält (Schmidt/ Drenseck, a.a.O., § 9 Rz 141; vgl. BFH-Urteil vom 07. Oktober 1994 VI R 76/89, BFH/NV 1995, 502). Dies entspricht dem Zweck des § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 EStG, typische Mehraufwendungen zu erfassen, die dadurch entstehen, dass der Steuerpflichtige aus beruflichen Gründen nicht in seiner Familienwohnung wohnen kann (Frotscher, EStG, 6. Aufl., Freiburg 1998 ff., § 9 Rz 159). Dieser Zweck kommt insbesondere in den Fällen zum Tragen, in denen die Mehraufwendungen unabwendbar sind, da der Steuerpflichtige sie —wie im Streitfall— nicht durch Verlegung seines Hausstands an den Beschäftigungsort vermeiden kann (vgl. Schmidt/Drenseck, a.a.O., § 9 Rz 141; Frotscher, a.a.O., § 9 Rz 159).“

Diese Kosten sind als Werbungskosten abzugsfähig! 

Als notwendige Mehraufwendungen wegen einer doppelten Haushaltsführung kommen in Betracht:

  • Die Fahrtkosten aus Anlass der Wohnungswechsel zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung sowie für wöchentliche Heimfahrten an den Ort des eigenen Hausstands oder Aufwendungen für wöchentliche Familien-Ferngespräche, 
  • Verpflegungsmehraufwendungen,
  • Aufwendungen für die Zweitwohnung und
  • Umzugskosten 

Notwendige Fahrtkosten 

Als notwendige Fahrtkosten sind anzuerkennen:

Hat Dein Arbeitgeber Dir die Zweitwohnung unentgeltlich oder teilentgeltlich zur Verfügung gestellt, sind die abziehbaren Fahrtkosten um diesen Sachbezug mit dem nach R 8.1 Absatz 5 und 6 – https://ste-u-err-echt.com/r-8-1-absatz-5-u-6-lstr/ maßgebenden Wert zu kürzen.

Familienheimfahrten

  • Sofern Du die wöchentliche Familienheimfahrt aus privaten Gründen nicht durchführst, sind die Aufwendungen für die stattdessen durchgeführte Besuchsfahrt Deines Ehegatten zum Beschäftigungsort ( Umgekehrte Familienheimfahrten ) keine Werbungskosten (BFH vom 02.02.2011 – BStBl II S. 456).Sofern Du aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen an einer Familienheimfahrt gehindert bist, sind die Aufwendungen für die Besuchsfahrt Deines Ehegatten zum Beschäftigungsort bis zur Höhe der für die unterlassene Familienheimfahrt berücksichtigungsfähigen Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar (BFH vom 21.08.1974 – BStBl 1975 II S. 64). Entsprechendes gilt für die Besuchsfahrten des Lebenspartners (>§ 2 Absatz 8 EStG) – https://ste-u-err-echt.com/§-2-absatz-8-estg/.
  • Die Entfernungspauschale für eine wöchentliche Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung kann aufwandsunabhängig in Anspruch genommen werden. Steuerfrei geleistete Reisekostenvergütungen und steuerfrei gewährte Freifahrten sind jedoch mindernd auf die Entfernungspauschale anzurechnen (>BFH vom 18.04.2013 – BStBl II S. 735).
  • Deine Aufwendungen für Familienheimfahrten mit einem vom Arbeitgeber überlassenen Dienstwagen berechtigt nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 8 EStG (https://ste-u-err-echt.com/§-9-abs1-nr5/) nicht zum Werbungskostenabzug (>BFH vom 28.02.2013 – BStBl II S. 629).
  • Sofern Du einen Behindertenausweis mit einem Grad der Behinderung von 70 oder mindestens 50 und dem Merkzeichen G vorweisen kannst, können anstelle der Entfernungspauschale die tatsächlichen Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und für Familienheimfahrten ansetzen.
    Vereinfachungs-Regel:
    Entfernungs-Kilometer für Hin- und Rückfahrt x Entfernungspauschale
    Wird Dein Grad der Behinderung herabgesetzt und liegen die Voraussetzungen des § 9 Absatz 2 Satz 3 EStG – https://ste-u-err-echt.com/§-9-abs2-estg/ nach der Herabsetzung nicht mehr vor, ist dies ab dem im Bescheid genannten Zeitpunkt zu berücksichtigen. Aufwendungen für Familienheimfahrten können daher ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nach § 9 Absatz 2 Satz 3 EStG – https://ste-u-err-echt.com/§-9-abs2-estg/ bemessen werden (>BFH vom 11.03.2014 – BStBl II S. 525).

Telefonkosten

Anstelle einer nicht durchgeführten Heimfahrt im Rahmen der doppelten Haushaltsführung kannst Du die Kosten für ein Telefonat von einer Dauer von 15 Minuten mit Familienangehörigen geltend machen (>BFH vom 18.03.1988 – BStBl II S. 988).

Achtung:

Das Finanzamt fordert einen Nachweis, dass die Fahrten auch tatsächlich durchgeführt worden sind. Der Nachweis kann erbracht werden durch TÜV-Berichte, Werkstattrechnungen etc., da hier die Kilometerstände bescheinigt werden. 

Wahlrecht: 

Führst Du mehr als eine wöchentliche Heimfahrt durch, kannst Du wählen, ob Du 

  1. diese tatsächlich durchgeführten Fahrten mit der Entfernungspauschale ansetzen möchtest, dafür aber keine weiteren Kosten geltend machst oder aber 
  1. nur eine wöchentliche Heimfahrt mit der Entfernungspauschale geltend machst und zusätzlich weitere Kosten wie zum Beispiel die Unterkunftskosten am Beschäftigungsort absetzt.

Dieses Wahlrecht kannst Du bei derselben doppelten Haushaltsführung für jedes Kalenderjahr nur einmal ausüben, R 9.11 Absatz 5 Satz 2 LStR.

Beispiel zum Wahlrecht:

Der Arbeitnehmer begründet eine doppelte Haushaltsführung. Für die Zweitwohnung entstehen ihm Kosten in Höhe von 3.000,00 Euro im Jahr. Zusätzlich kann er belegen, dass er 138 Heimfahrten (3 Fahrten je Woche) durchgeführte. Die kürzeste Straßenverbindung beträgt 160 Kilometer. 

Alternative A: 
Fahrtkosten in Höhe von 138 x 160 Km x 0,30 Euro: 6.624,00 Euro 

Alternative B: 
Fahrtkosten in Höhe von 46 x 160 Km x 0,30 Euro: 2.208,00 Euro 
Mietaufwendungen in Höhe von:         3.000,00 Euro 
Abzugsfähige Kosten: 5.208,00 Euro 

Der Arbeitnehmer wählt die Alternative A, nämlich den Ansatz der Entfernungspauschale für alle durchgeführten Fahrten. 


Mehraufwendungen für Verpflegung 

  • Verpflegungsmehraufwendungen sind lediglich für die ersten drei Monate abzugsfähig. 
  • Die Dreimonatsfrist beginnt erst nach Bezug der Wohnung am Beschäftigungsort. 
  • Sie werden für jeden Tag, an dem Du aufgrund des Bezugs der Zweitwohnung von Deiner Wohnung am Lebensmittelpunkt abwesend bist, gewährt.  
  • Wird die Tätigkeit an dem Beschäftigungsort zum Beispiel durch eine vorübergehende Tätigkeit an einem anderen Beschäftigungsort unterbrochen, beginnt die Dreimonatsfrist nach Rückkehr zum bisherigen Beschäftigungsort nur dann wieder neu, wenn die Unterbrechung mindestens 4 Wochen beträgt. 
  • Ist der doppelten Haushaltsführung bereits eine Auswärtstätigkeit an dem neuen Beschäftigungsort unmittelbar vorausgegangen, so ist deren Dauer auf die Dreimonatsfrist anzurechnen. 
  • Für jeden Tag, an dem Du auswärts übernachtest, kannst Du eine Pauschale für Verpflegungsmehraufwendungen in Höhe von 28,00 Euro als Werbungskosten geltend machen. 
    Für den An- und Abreisetag kannst Du eine Pauschale in Höhe von 14,00 Euro als Werbungskosten berücksichtigen.  

Kosten für die Zweitwohnung 

Aufwendungen sind maximal bis zu einem Betrag von 1.000,00 Euro monatlich abzugsfähig für: 

  • Wohnungs- oder Raummiete 
  • Nebenkosten (Heizung, Strom, Wasser, Müllabfuhr, Reinigung)
  • Zweitwohnungssteuer 
  • Mieterrechtsschutzversicherung
  • Maklergebühren und Kosten der Wohnungssuche
  • GEZ-Gebühren 
  • KFZ-Stellplatz / Separat angemieteter Garagenplatz 
  • Schuldzinsen bei einem Eigenheim 
  • Absetzung für Abnutzung für die Anschaffungskosten bei einem Eigenheim 
  • Renovierungskosten / Schönheitsreparaturen 
  • Soweit der monatliche Höchstbetrag in Höhe von 1.000,00 Euro nicht ausgeschöpft wird, ist eine Übertragung des nicht ausgeschöpften Volumens in andere Monate im selben Kalenderjahr möglich. 

Mit Urteil vom 04.04.2019 (VI R 18/17) entschied der BFH, dass Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände und Hausrat nicht in den Höchstbetrag einzurechnen sind.
Aufwendungen für Einrichtungsgegenstände: Bett, Tisch, etc. mit einem Anschaffungswert von über 410 Euro netto werden auf 10 Jahre abgeschriebenhttps://ste-u-err-echt.com/arbeitsmittel/.

Beispiel bezüglich der Kosten für die Zweitwohnung:

Professor Bach hat sich anlässlich seiner beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung an seinem Tätigkeitsort in Köln ab 01.05.2020 eine Wohnung gemietet. Die monatliche Miete beträgt einschließlich etwaiger Nebenkosten 800,00 Euro. Hinzu kommen Aufwendungen für die Einrichtung (Tische, Stühle, etc.) in Höhe von unstreitigen 1.500,00 Euro.

Lösung bezüglich der Kosten für die Zweitwohnung:

Professor Bach kann in seiner Steuererklärung 800,00 Euro x 8 Monate = 6.400,00 Euro + 1.500,00 Euro = 7.900,00 Euro Werbungskosten berücksichtigen.


Umzugskosten 

https://ste-u-err-echt.com/umzugskosten/

Die in Zusammenhang mit der Begründung, der Beendigung oder dem Wechsel einer doppelten Haushaltsführung entstehenden Umzugskosten sind ebenfalls in diesem Rahmen abzugsfähig (so genannter „kleiner Umzug“), R 9.11 Absatz 9 Satz 2 LStR.

Folgende Kosten sind berücksichtigungsfähig / nicht berücksichtigungsfähig:

  • Die Umzugskostenpauschale für sonstige Umzugskosten ist nicht abzugsfähig. 
  • Nur die tatsächlich entstandenen Umzugskosten, zum Beispiel Transportkosten für die Möbel und den Hausrat, Fahrten zur Wohnungssuche und Besichtigung, tatsächliche sonstige Umzugskosten sind abzugsfähig. 
  • Wenn die Hauptwohnung an den Arbeitsort verlegt wird, können sowohl die Umzugskostenpauschale als auch die tatsächlichen Umzugskosten gemeinsam berücksichtigt werden. 

Erstattungen durch den Arbeitgeber 

Soweit der Arbeitgeber Dir steuerfreie Erstattungen leistet, mindern diese Deinen Werbungskostenabzug. 

Zu den erstattungsfähigen Aufwendungen gehören:

  • die Fahrtkosten (erste und letzte Fahrt),
  • die wöchentlichen Heimfahrten (jedoch nicht bei Nutzung eines Firmen-PKW),
  • Verpflegungsmehraufwendungen in Höhe der gesetzlichen Pauschbeträge für die ersten drei Monate,
  • notwendige Kosten der Zweitwohnung (der Arbeitgeber darf hier pauschal 20,00 Euro je Übernachtung für die ersten drei Monate und 5,00 Euro je Übernachtung für die Folgezeit steuerfrei erstatten, wenn Dir die Zweitwohnung nicht unentgeltlich oder teilentgeltlich zur Verfügung gestellt wird),
  • Umzugskosten

Die Arbeitgebererstattungen sind nur bis zur Höhe der tatsächlich entstandenen Aufwendungen steuerfrei. Erstattet der Arbeitgeber darüber hinaus gehende Beträge, liegt steuerpflichtiger Arbeitslohn vor. Gleiches gilt, wenn der Arbeitgeber Erstattungen leistet, obwohl keine doppelte Haushaltsführung (mehr) vorliegt.

Quellennachweis
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/
Steuerarten/Lohnsteuer/2020-11-25-Stl-Behandlung-Reisekosten-Arbeitnehmern.pdf?__blob=publicationFile&v=3
§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nr. 5 EStG (Doppelte Haushaltsführung) 
§ 9 Absatz 4a Satz 12 EStG (Verpflegungsmehraufwendungen)
R 9.11 LStR ( Doppelte Haushaltsführung)
H 9.11 Absatz 1-4 LStR (Eigener Hausstand)
BMF-Schreiben vom 24.10.2014, Rz. 100 (eigener Hausstand) 
BMF-Schreiben vom 24.10.2014, Rz. 105 (Höchstbetrag 1.000,00 Euro monatlich) 
R 9.10 Absatz 1 Satz 4, 5 LStR (Lebensmittelpunkt bei Verheirateten)
R 9.10 Absatz 1 Satz 6-8 LStR (Lebensmittelpunkt bei Alleinstehenden)
R 9.11 Absatz 2 Satz 5 LStR (Wegverlegung des Lebensmittelpunktes)
R 9.11 Absatz 1 Satz 2 LStR (Dauerhaft)
H 9.11 Absatz 1-4 LStH (Nutzung der Zweitwohnung)
R 9.11 Absatz 5 LStR (Abzugsfähige Aufwendungen)
H 9.11 Absatz 5-11 LStH (Telefonkosten)
H 9.11 Absatz 1-4 LStH (Beibehaltung der Wohnung)
BFH vom 30.09.1988 – BStBl 1989 II S. 103 (Beibehaltung der Wohnung)
BFH vom 30.10.2008 – BStBl 2009 II S. 153 (Lebensmittelpunkt Ehegatten)
R 9.10 LStR (Fahrtkosten) 
§ 9 Absatz 4a EStG (Verpflegungsmehraufwendungen) 
R 9.1 Absatz 2 Satz 3 Nummer 4 LStR (Verpflegungsmehraufwendungen)
R 9.11 Absatz 7 Satz 2 LStR (Dreimonatsfrist)
R 9.11 Absatz 9 Satz 2 LStR (Umzugskosten)
R 9.11 Absatz 10 Satz 2 LStR (Erstattungen durch den Arbeitgeber)
BMF vom 25.11.2020 – BStBl I S. 1228, Rz. 104
Quellennachweis

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Veröffentlicht von Steuer

Herzlich Willkommen auf meiner Website / meinem Blog Steuerrecht. Ich bin ausgebildete Finanzwirtin und arbeite in Düren als selbständige Beratungsstellenleiterin für einen der größten Lohnsteuerhilfevereine Deutschlands. Mit meiner Website / meinem Blog möchte ich euch bei steuerlichen Fragen beratend zur Seite stehen und auch informieren. Viel Spaß beim Stöbern. Bleibt gesund.

Ein Kommentar zu “Doppelte Haushaltsführung

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